Wie erleben Beschäftigte in der Lebensmittelindustrie und im Gastgewerbe die Digitalisierung – und was macht den Unterschied zwischen Belastungs- und Zufriedenheitserfahrungen? Nach den ersten Ergebnissen aus der Thüringer Stichprobe liegen nun die Befunde der bundesweiten Studie vor.
324 Beschäftigte haben an der quantitativen Online-Befragung der ZeTT-Soziologen Oskar Butting und Dr. Thomas Engel von der Friedrich-Schiller-Universität Jena teilgenommen, durchgeführt in Kooperation mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Region Thüringen und dem Bildungszentrum Oberjosbach. Die Ergebnisse bestätigen, was sich bereits in der Thüringer Stichprobe abgezeichnet hat:
- Für die Mehrheit der Befragten bedeutet Digitalisierung vor allem eines: Mehr psychische Belastung und mehr Anforderungen an Wissen und Können.
- Körperliche Belastungen werden mehrheitlich als unverändert wahrgenommen.
- Konkrete Ängste wie die vor Jobverlust oder Überwachung werden zwar recht selten geäußert, Hoffnungen auf eine Verbesserung der Arbeit durch Digitalisierung aber ebenso wenig.
- Anders bei den älteren Beschäftigten: Hier sind Ängste deutlich weiterverbreitet. Und auch die Belastung durch Digitalisierung wird signifikant stärker wahrgenommen.
Betriebsräte und betriebliche Beteiligungsprozesse sind in den untersuchten Unternehmen – die aufgrund der Unterstützung durch die NGG einen hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrad aufweisen – auf den ersten Blick weit verbreitet. Dennoch fühlen sich zwei Drittel der Beschäftigten in Digitalisierungsentscheidungen nicht oder nicht ausreichend einbezogen. Und die Hälfte traut sich schlicht nicht zu, aktiv bei der Einführung neuer Technologien mitzugestalten. Formelle Strukturen schaffen Möglichkeiten, aber sie garantieren noch keine gelebte Mitsprache.
Das zentrale Ergebnis der Studie: Wer mitgestalten kann, bewertet sowohl die Digitalisierung als auch die eigene Arbeitssituation deutlich positiver. Mitsprache ist kein Add-on, sondern Voraussetzung dafür, dass digitaler Wandel als zumutbar und sinnvoll erlebt wird.
Eine gelingende digitale Transformation braucht damit nicht nur Betriebsräte oder Beteiligungsformen wie Qualitätszirkel, sondern die gelebte Mitsprache im Arbeitsalltag. Den vollständigen Bericht zu den Ergebnissen finden Sie hier.
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